Im Briefkasten: Zum Abschied vom Bordrestaurant zwischen Prag und Berlin

Die Tage des legendären Speisewagens auf der Bahnstrecke zwischen Tschechien und Norddeutschland sind gezählt, und Sie haben uns dazu viele Kommentare geschickt. Die Errichtung der Leitstelle Ost in Prag im Januar 1945, die den Zustrom von deutschen Flüchtlingen aus dem Osten organisieren sollte, oder aber die geplante Schaffung eines Landschaftsschutzgebietes in den March-Thaya-Auen: Auch zu diesen Themen haben Sie uns geschrieben.

Unsere Preisfrage im März:

Die ersten Orte, die am Ende des Zweiten Weltkriegs auf dem Gebiet des heutigen Tschechiens befreit wurden, waren Fulštejn / Füllstein (heute Bohušov) und Matějovice / Matzdorf im Kreis Bruntál / Freudenthal. Es war am 21. März… Und das eben ist unsere Frage: Vor wie vielen Jahren ist der Zweite Weltkrieg zu Ende gegangen?

Schreiben Sie uns an [email protected].

Die richtige Antwort aus dem Februar lautet: Bedřich Smetana. Dieser Komponist schrieb die Oper „Zwei Witwen“. Eben die Aufführung dieses Werkes am Prager Nationaltheater wurde vor 100 Jahren, am 12. Februar 1925, vom Tschechoslowakischen Rundfunk übertragen. Zu den Gewinnern zählen unter anderem Günter Kischel aus Tschechien und Vladimíra Vlček aus der Schweiz, die wir mit Sachpreisen belohnen. Herzlichen Glückwunsch!


Michael Lindner aus Gera hat schon am 10. Januar einen Brief mit der ersten QSL-Karte 2025 mit großer Freude erhalten:

„Ich war fast ein wenig erschrocken, als mir ein schwarzer Gorilla entgegenkam. Ist der etwa dem Prager Zoo entlaufen? Das Motiv ist sehr attraktiv und modern. Auch die Rückseite ist lustig gestaltet mit den drei schwarzen Fußabdrücken. Erinnert fast an eine Piraten-QSL! Jedenfalls habt Ihr Euch wieder etwas sehr Originelles einfallen lassen. Natürlich bin ich jetzt auch auf die weiteren Motive gespannt, damit ich meinen ‚QSL-Zoo‘ komplettieren kann.“

ZUM THEMA

Immer wieder willkommen seien auch die großformatigen Ansichtskarten „Aktivurlaub in Tschechien“, schreibt Michael Lindner weiter.

„Diese interessanten Karten verstauben nicht in meiner Sammlung, sondern gehen wieder auf große Reise in die ganze Welt zu meinen Hobbyfreunden. Ja, da mache ich doch gleich kostenlose Werbung für Tschechien, was bestimmt in Ihrem Interesse liegt. Sie sehen also, nichts landet bei mir im Papierkorb!“

Das freut uns natürlich sehr, vielen Dank dafür, Herr Lindner. Die Worte unseres Stammhörers können vielleicht auch für Andere eine Inspiration sein, uns Briefe zu schreiben und unsere QSL-Karten zu sammeln. Günter Rommelrath aus Viersen braucht aber gar keine weitere Motivation. Denn auch er hat die erste QSL-Karte 2025 bereits erhalten und bedankt sich dafür. Und auch Ralf Urbanczyk freut sich in Eisleben über die erste QSL-Karte 2025, die schon eingetroffen ist. Zu unserem Programm schreibt er:

„Sehr informativ fand ich den Bericht über die Schaffung eines Landschaftsschutzgebietes in den March-Thaya-Auen in der Tschechischen Republik. Für mich sieht das so aus, als ob damit ein weiteres Stück am Fluss March einen besonderen Schutzstatus erhält, weil es entlang dieses Flusses bereits in Tschechien, aber auch in Österreich und der Slowakei einige Schutzgebiete gibt. Schon allein zur Bewahrung der alten, einzigartigen Kulturlandschaft zu beiden Seiten der March, ist der Schutzstatus eine gute Sache. Interessant wäre noch gewesen, wenn im Bericht auf den Hochwasserschutz im nun neuen Landschaftsschutzgebiet eingegangen worden wäre. Wenn die Rede auf die March kommt, dann fallen mir zuerst immer die Berichte über die regelmäßigen Überschwemmungen ein.“

Landschaftsschutzgebiet Soutok | Foto: Jan Miklín,  Tschechische Akademie der Wissenschaften

Reisen und essen

Der Abschied des legendären tschechischen Speisewagens, der in den Zügen zwischen Prag und Berlin im Verkehr ist und als Knödelexpress bezeichnet wird, ist dieser Tage ein aktuelles und viel besprochenes Thema. Auch Martina Pohl aus Überlingen hat unseren Beitrag dazu mit Interesse verfolgt. Es mache schon etwas wehmütig, dass die fast 30 Jahre alten Waggons durch neue Bistrowagen ausgetauscht würden, schreibt sie:

„Auch frisch zubereitete Essen wird es für den Bahnreisenden nicht mehr geben, stattdessen wird es nur noch Gerichte geben, die mit Hilfe eines ‚multimodalen Konvektomaten‘ aufgewärmt werden. Klingt alles nicht wirklich einladend.

Die roten Sitze, die roten Mitteldecken auf den Tischen, sowie die kugeligen Lampen, das hat schon was hergemacht, eben eine schöne Art des Reisens.

Die neuen Fernverkehrszüge vom Typ ComfortJet sind der heutigen modernen Zeit geschuldet, sind aber für die wirklichen Eisenbahn-Liebhaber kein Ersatz.“

Auch auf unserem Facebook-Profil haben sich mehrere Kommentare und Erinnerungen an das Reisen und Essen mit den Tschechischen Bahnen angesammelt. So schreibt Fritz Hensel:

„Ich bin immer gerne mit diesen Waggons gefahren. Bequemes Reisen und das Essen im Restaurant war immer top.“

Frauke van Geuns bedauert und bedankt sich:

Foto: Ferdinand Hauser,  Radio Prague International

„Sehr schade. Danke für den – wie immer –  sehr sympathischen Beitrag. Eine weitere Information hätte ich mir noch gewünscht: Die vegetarischen Gerichte waren wirklich äußerst lecker! Und die Speisekarte wurde bei den vegetarischen Gerichten öfter mal geändert bzw. saisonal angepasst. Das war richtig toll. Ich habe mich bei jeder Reise nach Prag (immer und prinzipiell mit dem Zug, jedes Mal mit dem Berliner, da ich von der Nordsee aus anreise) im Speisewagen verwöhnen lassen und war jedes Mal aufs Neue von der Qualität der frisch zubereiteten Speisen begeistert. Vielen Dank an das tolle Team und wirklich sehr bedauerlich, dass dieser wunderbare Einstieg in einen Prag-Urlaub demnächst wegfällt.“

Und Michael Rühling:

„Wir werden das Hospoda in sehr guter Erinnerung behalten. Ein Stück Reisegenuss wird verschwinden.“

Andreas Mütze aus Neukirch bei Dresden fand unseren historischen Beitrag über das Umbruchjahr 1945 in der Tschechoslowakei sehr interessant, wie er berichtet:

„Ich wusste nicht, dass im Januar 1945 in Prag eine Leitstelle Ost eingerichtet wurde, um den riesigen Flüchtlingsstrom aus den deutschen Ostgebieten am Ende des 2. Weltkrieges auch über das Protektorat Böhmen und Mähren zu organisieren. Vielen Dank für Ihre Recherchen und die interessanten Einzelheiten aus dem tschechischen Nationalarchiv.“

Die Zeitzeugen

In deutschen Medien sucht man derzeit sogar noch nach Zeitzeugen aus dieser Zeit für eine Fernsehdokumentation, schreibt Herr Mücke. Das werde natürlich schwierig werden, denn die noch nicht verstorbenen Menschen, die sich an diese Zeit erinnern könnten, seien mittlerweile hochbetagt, meint er. Und er führt zur Bedeutung der Zeitzeugen aus:

Der Historiker Jiří Klůc und der Veteran des Zweiten Weltkriegs Antonín Fajkus | Foto: Jiří Klůc/Donio

„Unsere Enkel können leider von keinen unserer Zeitzeugen von den schweren, bitteren und entbehrlichen Zeiten, die ein Krieg mit sich bringen kann, erzählt bekommen. Und dabei ist es doch gerade jetzt in der immer mehr autokratisch geführten Welt umso wichtiger, dass man die Jugend vor der Gefahr eines unmittelbaren Krieges und der damit verbundenen einvernehmenden Propaganda warnt und auf das mit dem Krieg verbundene Leid sensibilisiert. Krieg ist halt nicht nur der erbitterte Kampf an der Front, Bombardierungen und Konzentrationslager. Auch die Zivilbevölkerung musste damals bitter unter dem Krieg leiden. Ich denke, dass die meisten Jugendlichen mit ‚Flüchtlingen‘ (nur) Menschen aus anderen Kulturkreisen assoziieren und sich nicht vorstellen können, dass viele ihrer Urgroßeltern unter großen Entbehrungen auch flüchten mussten und an der neuen Bleibe meist auch nicht willkommen waren.“

Andreas Mücke erwähnt zudem einen MDR-Bericht über illegale Deponierung von Sondermüll in Tschechien.

„Dort wurde jede Menge Sondermüll einer deutschen Firma Roth gefunden. Wie die Bürgermeisterin der Gemeinde sagte, ist das eine immer häufiger anzutreffende Masche: Es wird eine Firma gegründet, die wie in diesen Fall, Sondermüll ankauft aber nicht aufbereitet beziehungsweise entsorgt. Nach einiger Zeit geht die Firma in Insolvenz und die Gemeinde bleibt auf den Kosten für die Entsorgung sitzen. Das ist schon verrückt, was da läuft. War das auch Thema in Ihren Medien?“

Ja, über den Fall Jiříkov, eine Gemeinde in der Nähe von Bruntál in Nordmähren, wurde auch hierzulande berichtet. Unter anderem das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat dazu eine Reportage gesendet. Ende Januar hieß es dann, der gefährliche Müll soll innerhalb einiger Wochen aus Jiříkov verschwinden und zurück nach Deutschland gebracht werden.

Und das war’s für heute. Schreiben Sie uns bitte weiter an Radio Prag International, deutschsprachige Redaktion, Vinohradská 12, 120 99 Prag 2, Tschechische Republik oder per E-Mail an [email protected].