Bezahlbares Wohnen – große Herausforderung für Tschechien
Die Wohnpreise in Tschechien kennen nur eine Richtung: nach oben. Der Trend gilt sowohl für den Erwerb eines eigenen Wohnraums als auch für die Mieten. Dies geht aus einer aktuellen Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor.
Bezahlbarer Wohnraum ist laut der OECD eine der größten sozialen Herausforderungen in der Tschechischen Republik. Die Immobilienpreise und Mieten hierzulande seien in den letzten Jahren erheblich gestiegen, so dass viele Haushalte einem zunehmenden Druck auf ihre Budgets ausgesetzt seien. Dies geht aus einer aktuellen Studie der OECD zur Erschwinglichkeit von Wohnraum hervor. Demzufolge betrifft das Problem vor allem junge Familien, ältere Menschen und sozial schwache Gruppen. Lucie Trlifajová ist Sozialanthropologin an der Prager Karlsuniversität. Sie betonte in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks, dass die Gruppe der Bedrohten ziemlich groß sei:
„Wir haben oft die Vorstellung, dass Menschen mit niedrigem Einkommen eine kleine Gruppe von Personen sind, die mehrfach benachteiligt sind. Da aber die Wohnungspreise für Eigentum und Miete schneller steigen als die Löhne, vergrößert sich die Gruppe dieser Menschen erheblich. Sie haben Schwierigkeiten, eine gute Wohnung zu bekommen und die hohen Wohnkosten zu tragen. Die Erschwinglichkeit von Wohnraum für die Mittelschicht verschlechtert sich, und die Schere zwischen Eigentümern und Mietern öffnet sich.“
Der OECD zufolge reichen partielle Maßnahmen nicht aus, um die Erschwinglichkeit von Wohnraum zu verbessern; es sei stattdessen eine langfristige und koordinierte Strategie erforderlich, die die Wohnungspolitik mit der Raumplanung, dem Steuersystem und sozialen Dienstleistungen verknüpft. Die Expertin verweist auf die Studie und unterstreicht, dass die Lösung nicht nur im Bau neuer Wohnungen beruht:
„In der Studie wird betont, dass es nicht um den Wohnungsbau an sich geht, sondern darum, ob dieser die Gruppen erreicht, die den Wohnraum benötigen. Der Wohnungsbau ist zwar wichtig, aber nicht immer in der Lage, angemessen und schnell auf das Problem zu reagieren, das heute sehr akut ist.“
Deshalb sei es wichtig, über Instrumente zu sprechen, die man sofort einsetzen könne, sagt Trlifajová:
„Das ist die Besteuerung und die Regulierung von Mieten beziehungsweise von kurzfristigen Mietverträgen. Diese Instrumente können tatsächlich ermöglichen, erschwinglichen, stabilen und qualitativ hochwertigen Wohnraum für die breite Gruppe von Menschen zu schaffen, die in den letzten Jahren zunehmend bedroht ist.“
Laut dem OECD-Index stiegen die Immobilienpreise von 2008 bis 2024 um mehr als 30 Prozent, die Mietpreise haben sich im selben Zeitraum fast verdoppelt. Zudem stünden in Tschechien 16 Prozent der Wohnungen leer, heißt es weiter.
„Die Besteuerung kann es viel einfacher machen, Wohnungen, die nicht besetzt sind, auf den Markt zu bringen. Das heißt, der Eigentümer hat einen Anreiz, eine leerstehende Wohnung, die er besteuern muss, zu vermieten.“
In Tschechien gibt es einen sehr geringen Anteil an Sozialwohnungen. Er liegt bei etwa 3,5 Prozent. Zudem werden Sozialleistungen für Wohnzwecke an Bedürftige ausgezahlt. Die Soziologin sagt jedoch:
„Das Sozialleistungssystem ist finanziell nicht tragbar. Denn die Wohnungspreise steigen so schnell, dass der Staat nicht in der Lage ist, aus öffentlichen Mitteln bezahlbaren Wohnraum anzubieten. Er ist einfach extrem teuer. Deshalb muss man über eine Regulierung oder Besteuerung nachdenken. Das wäre für den Staat wesentlich weniger kostspielig als die Instrumente, die wir heute haben.“
Nach Angaben des Unternehmens Deloitte kostete Ende letzten Jahres in Tschechien ein Quadratmeter in einer Wohnung durchschnittlich 110.100 Kronen (4500 Euro). Die Miete belief sich damals auf 309 Kronen (13 Euro) pro Quadratmeter und Monat, sie ist seitdem aber weiter gestiegen.
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