Tschechiens Olympia-Superstar: Goldkandidatin Ester Ledecká
Zwei Sportarten, ein Gesicht: Ester Ledecká. Die dreifache Olympiasiegerin startet auch bei den Spielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo wieder sowohl auf Ski als auch auf dem Snowboard. Und sie ist die größte tschechische Hoffnung auf Gold.
Es ist der Moment, in dem Ester Ledecká Sportgeschichte schreibt: Im Super-G bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang schockt sie die Konkurrenz und starrt nach dem Zieleinlauf ungläubig herum. Bis ihr bewusst wird, dass sie Gold geholt hat, vergehen viele Sekunden. Eine Woche später fährt sie noch den erwarteten Sieg auf dem Snowboard im Parallel-Riesenslalom ein. Damit ist sie die erste Frau, die bei ein und denselben Spielen in zwei Sportarten Gold gewonnen hat.
2022 in Peking konnte Ledecká dann ihren Titel auf dem Snowboard verteidigen, allerdings reichte es im Alpinski nicht zu einer Medaille. Doch nun ist sie zurück bei Olympia – und weiterhin Weltspitze in beiden Sportarten. Vor allem aber: Sobald Ledecká das Snowboard unter die Füße schnallt, scheint sie nicht zu schlagen zu sein. Zum Beispiel im März vergangenen Jahres im Engadin. Erstmals seit 2017 nahm sie wieder an einer Snowboard-WM teil, und wie acht Jahre zuvor gewann sie den Titel. Danach bekannte sie:
„Es war ein guter Tag – von Anfang bis Ende. Aber ich wusste nicht, was ich von mir erwarten kann. Weil ich die ganze Saison über Ski gefahren bin, war mir nicht klar, wo meine Konkurrentinnen stehen. Ich habe einfach nur versucht, während der Saison hier und dort mal ein Snowboard-Training einzubauen, um diese Sportart nicht komplett zu verlernen.“
Und bei den Alpinen Skiweltmeisterschaften im österreichischen Saalbach-Hinterglemm anderthalb Monate zuvor hatte Ledecká die Bronzemedaille in der Abfahrt geholt. Wegen ihrer fliegenden Wechsel von Ski auf Snowboard und zurück bezeichnet man sie in ihrer Heimat als „obojživelnice“, also als Amphibium.
Diese Sonderstellung von Ester Ledecká im derzeitigen Sport scheint den Veranstaltern der Spiele in Italien jedoch herzlich egal zu sein. Sie haben sowohl den Ski-Abfahrtslauf als auch den Snowboard-Parallel-Riesenslalom der Frauen auf den ersten Olympia-Sonntag gelegt. Und das trotz Bittschreiben aus Tschechien…
„Für mich ist das natürlich sehr schade. Ich war davon ausgegangen, dass sich das noch ändern lässt. Ich hatte gehofft, dass das IOC gewillt sein würde, zu allen Sportlern möglichst fair zu sein. So dass alle auch in den Sportarten und Disziplinen antreten können, für die sie nominiert wurden. Natürlich muss man auch die Frage stellen, was ist, wenn ich Italienerin, Französin oder Österreicherin wäre. Diese Nationen haben ein stärkeres Wort vor allem im Alpinsport. Ich bin stolz darauf, Tschechin zu sein, denke aber nicht, dass dies in diesem Fall von Vorteil ist“, resümiert Ledecká die erfolglosen Bemühungen des tschechischen Skiverbandes.
Und es ist doppelt schade, da die 30-jährige Allrounderin auch in dieser Saison gut in Form zu sein scheint in beiden Sportarten. So fuhr die gebürtige Pragerin Mitte Januar beim Super-G im italienischen Tarvisio auf den dritten Rang, um nur ein paar Tage darauf erstmals in der Saison im Snowboard-Weltcup anzutreten. Und auf Anhieb gewann Ester Ledecká den Wettbewerb auf der Simonhöhe in Österreich.
Auf Ski ist ihr bei Olympia immerhin noch der Super-G geblieben, der am Donnerstag kommender Woche gefahren wird. Diese Disziplin hat sie laut ihrem Trainer Tomáš Bank in der Saison ganz besonders trainiert. Und die Sportlerin selbst sagt:
„Mir bedeutet es mehr, dass ich als einzige Teilnehmerin bei den Olympischen Spielen in zwei Sportarten antreten werde, als womöglich den Sieg in der Abfahrt zu erringen. Denn in der Geschichte gibt es nur zwei Olympioniken, die bei ein und denselben Spielen in zwei Sportarten nominiert waren. Das ist meine Sicht, und so möchte ich mich in die Geschichte des Sports einschreiben.“
Aber werden es wieder zwei Medaillen in zwei Sportarten? Wie auch immer, Ledecká bleibt die größte Goldhoffnung für Tschechien bei den Spielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo.
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