Nicht nur Fotograf: Jindřich Štreit im Kunstmuseum von Olmütz

Jindřich Štreit

Der international anerkannte Dokumentarfotograf Jindřich Štreit feiert am 5. September seinen 80. Geburtstag. Im Kunstmuseum von Olomouc / Olmütz wurde aus diesem Anlass eine Ausstellung eröffnet. 

Die Ausstellung im Olmützer Kunstmuseum trägt den Titel „Z města ven“ („Aus der Stadt hinaus“). Sie zeigt Fotografien von Jindřich Štreit, die einigen Besuchern bekannt vorkommen dürften, wie Kuratorin Štěpánka Bieleszová sagt. In der Schau werde Štreit jedoch nicht nur als Fotograf vorgestellt, erklärte sie in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks.

Jindřich Štreit | Foto: Petra Ševců,  Tschechischer Rundfunk

„Wir zeigen Jindřich Štreit auch als Kurator, Aufklärer und Initiator von zahlreichen Kulturveranstaltungen. Wir präsentieren ihn als einen Menschen, dem es vor etwa 50 Jahren gelungen ist, in Sovinec ein kleines unabhängiges Kulturzentrum einzurichten. Trotz der sogenannten ,Normalisierung‘ zu dieser Zeit, die auch den Bereich der Kunst betraf, stützte sich die kleine Kulturoase auf freundschaftliche Beziehungen. Jindřich ermöglichte damals zahlreichen Künstlern, die für das kommunistische Regime unerwünscht waren, in Sovinec auszustellen und aufzutreten.“

Im ersten Teil der Ausstellung wird Štreit als Fotograf vorgestellt, der sich für das Leben von gewöhnlichen Menschen interessiert. Zu sehen sind auch Fotografien, die zuvor noch nie gezeigt wurden. Die Kuratorin:

Ausstellung „Z města ven“  („Aus der Stadt hinaus“) | Foto: Petra Ševců,  Tschechischer Rundfunk

„Das ist ein wenig relativ. Die Fotografien wurden aus Negativen gemacht, die Štreit aus unterschiedlichen Gründen nie vergrößert hat. Nach einigen Minuten hat man aber den Eindruck, dass man die Fotos kenne. Das kommt davon, dass die Orte sowie die Akteure und die Situationen von älteren Fotos bekannt sind. Auf einmal befinden sich die Besucher in einer Welt, die ihnen nicht fremd ist und die sich auf unsere gemeinsame Vergangenheit bezieht. Auch dank diesen gemeinsamen Erlebnissen wirken die Fotografien so stark. Jindřich bringt uns das intime Alltagsleben näher, indem er sehr nah herantritt an die Menschen, die er gern hat, bewundert und dokumentiert.“

Die Fotografien stammen aus den 1980er Jahren und wurden in der Gegend von Bruntál und Rýmařov aufgenommen. Sind gerade sie typisch für Jindřich Štreit? Štěpánka Bieleszová:

Ausstellung „Z města ven“  („Aus der Stadt hinaus“) | Foto: Petra Ševců,  Tschechischer Rundfunk

„Ich denke, dass die Fotografien, die Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre entstanden sind, eigentlich am stärksten sind. Jindřich benannte den Zyklus später ,Vesnice svět‘ (,Dorfwelt‘). Er machte die Fotos zu einer Zeit, in der auch er selbst keine einfache Stellung in der Kunst und Gesellschaft hatte. Zudem war sein Thema damals ein Randthema, das übersehen wurde. Niemand im Zentrum des Landes interessierte sich dafür, was sich in der Gegend von Bruntál abspielte. Das waren Dörfer, die nach der Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung neu besiedelt worden waren. Es gab dort viele entwurzelte Menschen, die zu ihrem Wohnort keine Beziehung hatten. Jindřich versuchte, ihre Alltagsprobleme einzufangen.“

In der Gegend von Bruntál gibt es laut der Kuratorin bis heute viele Probleme – im Verkehrs- und Bildungsbereich sowie auf dem Arbeitsmarkt. Sie betont:

Jindřich Štreit und Štěpánka Bieleszová | Foto: Blanka Mazalová,  Tschechischer Rundfunk

„Die Probleme waren in den 1980er Jahren vielfach größer. Dem Fotografen ist es gelungen, die Lage dort zu dokumentieren. Die Fotografien, die er im Verlauf von fast 40 Jahren gemacht hat, stellen ein völlig unwiederholbares Bild dieser Region dar. Es ist wirklich eine Chronik – etwas, das heute keiner mehr dokumentieren kann. Gott sei Dank, dass es Jindřich gelungen ist.“

Die Ausstellung aus dem Werk von Jindřich Štreit ist im Kunstmuseum in Olmütz zu sehen, und zwar bis 6. September. Das Museum ist mittwochs bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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