Erster Stausee in Tschechien ausgetrocknet – Koalition zum Kampf gegen Trockenheit tagt erneut
Zwar sind die Hitzewellen vorbei, doch weiterhin fehlen in Tschechien die Niederschläge. Am Montag traf sich daher zum zweiten Mal die Koalition zum Kampf gegen die Trockenheit, die aus Regierungsvertretern und Fachleuten besteht.
Die Meldung und vor allem die Bilder ließen vergangene Woche aufhorchen: Der Stausee Husinec im Böhmerwald ist praktisch ausgetrocknet. Das heißt, dass dort kein Wasser mehr zurückgehalten wird, sondern alle weiteren Niederschläge einfach abgelassen werden. Jan Daňhelka vom Hydrometeorologischen Institut sagte dazu in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:
„In der modernen Zeit mit dem heutigen System an Wasserwirtschaft ist dies das erste Mal. Es ist aber auch rund 1,5 Grad im Schnitt wärmer als vor 30 Jahren.“
Denn früher habe es ebenfalls trockene Jahre gegeben, so der Hydrologe.
Fehlende Niederschläge
Die Husinec-Talsperre nahe Prachatice wurde 1939 fertiggestellt. Zunächst diente sie als Schutz vor Überschwemmungen und als Wasser-Reservoir. Anfang der 1950er Jahre wurde ein Wasserkraftwerk angeschlossen und der Stausee wenig später auch in die Wasserversorgung von Prachatice eingebunden.
Die jetzige Nachricht aus Südböhmen veranlasste Premier Andrej Babiš (Partei Ano) dazu, zum zweiten Mal die Koalition zum Kampf gegen die Trockenheit einzuberufen. Am Montag traf sich der Regierungschef mit Ministern und Ministerialbeamten sowie Vertretern der Wasserwirtschaft. Landwirtschaftsminister Martin Šebestyán (parteilos) fasste zunächst die Lage zusammen:
„In Tschechien fehlen immer noch die Niederschläge, das Defizit liegt weiter bei 30 bis 40 Prozent – je nach Gegend. Wir haben die Sitzungen der Kommissionen zur Trockenheit in den Kreisen Mittelböhmen, Pilsen und Südböhmen ausgewertet, diese fanden vergangene Woche statt. Genau diese Gegenden sind derzeit am meisten von der Trockenheit betroffen.“
Stauseen lassen Wasser ab
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Šebestyán betonte indes, dass bisher nirgendwo die Trinkwasserversorgung eingeschränkt werden müsse. Allerdings sind die Durchflüsse an zahlreichen Wasserläufen in Tschechien auf einem historischen Niedrigstand. Deswegen wurde damit begonnen, vermehrt Wasser aus den Stauseen abzulassen, vor allem auch aus jenen an der Moldau.
„Ich muss sagen, dass wir in den meisten Stauseen im Land inklusive der so diskutierten Moldau-Stauseen genügend Wasser haben, um diese Verbesserung der Durchflüsse in den Flüssen noch mehrere Monate lang weiterführen können. Das bedeutet mindestens bis April oder bis zur Mitte kommenden Jahres“, so Šebestyán.
Geld aus Brüssel
Die Koalition zum Kampf gegen die Trockenheit tagte laut den Presseinformationen rund eine halbe Stunde lang. Dabei kamen die langfristigen Pläne nur sehr allgemein zur Sprache. So sagte Premier Babiš, dass bis ins Jahr 2100 Investitionen in Höhe von mehreren Hundert Milliarden Kronen nötig seien. Dabei setzt der Regierungschef vor allem auf Geld aus Brüssel. Entsprechende Projekte sollten seinen Worten nach Priorität haben bei den Verhandlungen über den langfristigen Finanzrahmen der EU für die Jahre 2028 bis 2034.
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Bereits bei ihrem ersten Treffen im August hatte sich die Koalition auf den möglichst schnellen Bau weiterer Stauanlagen geeinigt. Und Babiš bestätigte nun erneut, dass dafür auch Gesetze geändert werden sollen. Das liege in der Regie des Landwirtschaftsministeriums, so der Premier:
„Wir haben ein neues Gesetz auf den Weg gebracht, mit dem Großbauprojekte beschleunigt werden sollen. Aber Minister Šebestyán bringt noch eine Lex specialis ein, mit der besonders Bauvorhaben der Wasserwirtschaft beschleunigt werden.“
Opposition vermisst Konkretes
Konkrete Maßnahmen zum Kampf gegen die Trockenheit wurden am Montag allerdings nicht vorgestellt. Der stellvertretende Umweltminister Pavel Vlček ergänzte nur, dass sein Ressort und das Hydrometeorologische Institut damit begonnen hätten, die von der Trockenheit am meisten bedrohten Gemeinden zu beobachten. Eine interaktive Landkarte dazu umfasse rund eintausend Orte, hieß es.
Die Opposition kritisiert, dass die Regierung bisher zu wenig unternehme. Erneut äußerte sich der ehemalige Umweltminister Petr Hladík (Christdemokraten):
„Mittlerweile ist schon Oktober. Sie wollen sich intensiv damit beschäftigen, haben sich aber jetzt zum ersten Mal auf einer formalen Arbeitsebene getroffen. Ich sehe auch keine grundlegenden Entwürfe zu dem, was geschehen soll.“
Hladíks Worten nach zeigt der Haushaltsentwurf für kommendes Jahr nicht, dass der Kampf gegen die Trockenheit für das Kabinett zu den Prioritäten gehöre.
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