Schloss Troja eröffnet Saison mit Glas und Jugendstilplastik

Foto: Archiv des Kunstgewerbemuseums

Anfang April werden nach der Winterpause die meisten tschechischen Burgen und Schlösser wieder geöffnet. Die neue Saison beginnt am Mittwoch auch im Prager Schloss Troja. In den prunkvollen Sälen des Barockschlosses wurden bei dieser Gelegenheit zwei Ausstellungen eröffnet.

Schloss Troja (Foto: Martina Schneibergová)
Schloss Troja wurde Ende des 17. Jahrhunderts als Sommerresidenz für die Familie Sternberg erbaut. Es liegt auf einer Terrasse am rechten Moldauufer zwischen dem Prager Zoo im Westen und den Weinbergen und dem Botanischen Garten im Norden. Verwaltet wird das Schloss von der Galerie der Hauptstadt Prag. Ihre neue Leiterin Magdalena Juříková hat das neue Ausstellungskonzept für Troja entworfen:

„Die Galerie zeigt hier tschechische Jugendstilplastiken. Zudem wird hier venezianisches und böhmisches Glas ausgestellt. Dieses passt meiner Meinung nach in eine Sommerresidenz, die nach dem Vorbild von italienischen Villen erbaut wurde.“

Die Glasausstellung wurde in Zusammenarbeit mit dem Prager Kunstgewerbemuseum zusammengestellt. In seinen Sammlungen befinden sich über 20000 Glasgegenstände, sagt die Chefin des Museums Helena Koenigsmarková:

"In den Sammlungen haben wir Beispiele aus allen Epochen der Glasmacherei. Und gerade das venezianische und das böhmische Glas sind in der Geschichte des Kunstgewerbes zwei wichtige Phänomene. Der Unterschied zwischen dem venezianischen und dem böhmischen Glas besteht in der Glasmasse. Der in Italien genutzte Quarzsand unterschied sich nämlich vom Quarzsand aus Mitteleuropa. Beim dünnen venezianischen Glas konnte nur die Blastechnik oder die so genannte ´Millefioritechnik´ genutzt werden. Das Glas hatte aber sehr schöne Formen. Das böhmische Glas war bedeutend härter und konnte darum geschliffen werden. Auf diesem Glas konnten Geschichten erzählt werden, so ließen die Auftraggeber beispielsweise ihre Wappen eingravieren. Im 17. Jahrhundert hat dann das böhmische Glas den europäischen Markt sowie die europäische Mode beherrscht.“

Jan Štursa: Melancholisches Mädchen (Foto: Archiv des Kunstgewerbemuseums)
Neben der Glasausstellung sind im Schloss Troja seit kurzem auch tschechische Jugendstilplastiken zu sehen. Kuratorin Sandra Baborovská:

„Die Ausstellung zeigt das Wichtigste, das in den Böhmischen Ländern im Bereich Jugendstilplastik entstanden ist. Sie dokumentiert zudem die Auseinandersetzungen, zu denen es zwischen den hiesigen Künstlern kam. In Troja sind Werke aus den Jahren 1880 bis 1910 zu sehen. Die Ausstellung ist nicht chronologisch, sondern thematisch gestaltet.“

Die Anfänge der Jugendstilplastik sind mit dem Werk von Josef Václav Myslbek verknüpft. Daher bilden den Schwerpunkt der Ausstellung Plastiken seiner Schüler Josef Mařatka, Quido Kocian, Bohumil Kafka und Jan Štursa. Bei der Auswahl fehlen aber auch nicht Werke von wenig bekannten Künstlern wie František Hošek, Vladimír Astl oder den Deutschböhmen Alois Rieber oder Karl Wilfert Junior.

Die beiden Ausstellungen sind im Schloss Troja vorläufig bis zum 3. November zu sehen. Das Schloss ist täglich außer Montag von 10 bis 18 Uhr, am Freitag von 13 bis 18 Uhr geöffnet.