Tschechien und Russland im Streit um August 1968

August 1968 (Foto: Archiv Post Bellum)

Der 21. August wird in Tschechien ab kommendem Jahr offizieller Gedenktag für die Opfer des Einmarsches der Warschauer-Pakt-Truppen von 1968. Das gefällt Russland nicht. Doch Moskau ist mit seiner Kritik auf eine entschiedene Ablehnung aus Tschechien gestoßen.

August 1968  (Foto: Archiv Post Bellum)

Foto: Post Bellum
Der 21. August 1968 ist bis heute ein Trauma für die Menschen in Tschechien. Damals marschierten die Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei ein. Deswegen wurde dieses Datum jüngst vom tschechischen Abgeordnetenhaus zum Gedenktag erklärt. Damit soll an die Opfer der Okkupation durch die sowjetischen Truppen erinnert werden. Das hat Russland nun kritisiert. Das Außenministerium in Moskau warf Tschechien vor, das Verhältnis beider Länder zueinander durch den fortwährenden Blick in die Vergangenheit beschädigen zu wollen.

In Reaktion darauf bezeichnete Außenminister Tomáš Petříček (Sozialdemokraten) die Ereignisse von 1968 als nationale Tragödie. Und Russland wolle dies bagatellisieren, so Petříček.

Tomáš Petříček  (Foto: ČTK / Michal Kamaryt)
„Ich lehne die Erklärung des russischen Außenministeriums ab, dass die Tschechische Republik die Atmosphäre der gegenseitigen Beziehungen trübe. Im Gegenteil, wir streben danach, realistisch, pragmatisch und sachlich zu handeln.“

Der Außenminister warnte davor, durch eine Verzerrung der Geschichte das tschechisch-russische Verhältnis zu beschädigen. Petříček plant deshalb ein Treffen mit dem russischen Botschafter Anfang kommenden Jahres. „Wir müssen uns reinen Wein einschenken und konstatieren, dass unsere Beziehungen durch Fragen belastet werden, mit denen sich Historiker und nicht Politiker beschäftigen sollen. Dies gilt auch für Streitigkeiten um Denkmäler. Die Tschechische Republik nutzt zum Beispiel das Problem beschädigter Denkmäler für tschechische Legionäre in Russland nicht dazu, um das Verhältnis zur Russischen Föderation zu belasten.“

Andrej Babiš  (Foto: ČTK / Kateřina Šulová)
Auch Tschechiens Premier Andrej Babiš reagierte auf die Kritik aus Moskau. Er sagte, die Russen hätten Tschechien nach dem Einmarsch ganze 21 Jahre Freiheit gestohlen. Laut dem Ano-Politiker ist es daher notwendig, an Invasion im August 1968 zu erinnern.

Staatspräsident Miloš Zeman hat das entsprechende Gesetz in der vergangenen Woche unterzeichnet. Kritik an der Reaktion aus Moskau kam nun auch von der Präsidialkanzlei, der ansonsten gute Kontakte in den Kreml nachgesagt werden. Präsidentensprecher Jiří Ovčáček bezeichnete die Aussagen als unangemessen und inakzeptabel:

„Wir müssen uns an die Okkupation im Jahr 1968 und ihre unschuldigen Opfer erinnern. Wir können keinesfalls die These akzeptieren, dass man diese Ereignisse vergessen sollte. Auf russischer Seite muss eine tiefere Selbstreflexion erfolgen. Man sollte zur Kenntnis nehmen, dass diese Angelegenheit für die tschechische Seite sensibel ist.“

Am 21. August 1968 besetzten die Truppen des Warschauer Paktes die damalige Tschechoslowakei. Ihre Panzer walzten die Reformbewegung „Prager Frühling“ praktisch nieder. Laut Historikern kamen bei dem Einmarsch insgesamt 137 Menschen ums Leben.