Tschechische Spuren und 199 Tage Musik bei der Bayerischen Landesausstellung in Freyung
In der Grenzstadt Freyung steht die Eröffnung der Bayerischen Landesausstellung bevor. Die Schau wird auch tschechische Aspekte und Spuren aufzeigen.
Die bevorstehende Bayerische Landesausstellung 2026 hat das Motto „Musik in Bayern“. Sie wird am Samstag eröffnet. Der Tscheche Libor Pražan lebt zurzeit in Freyung. Er ist erfolgreicher Gitarrenbauer und Restaurator historischer Möbel und ist an diesem Ausstellungsprojekt beteiligt. Gegenüber Radio Prag International sagt er:
„Wir eröffnen eine große, schöne Ausstellung, die die Musikgeschichte in Bayern und seiner Umgebung beschreibt. Dank der gemeinsamen Geschichte finden sich in der Schau mehrere Spuren, die nach Böhmen führen. In Westböhmen gab es beispielsweise viele Hersteller von Musikinstrumenten, darunter von Geigen und Gitarren. Außerdem wird in der Ausstellung ein typisch westböhmisches Musikinstrument – der Dudelsack – vorgestellt. Es ist vielleicht in Tschechien wenig bekannt, dass der Dudelsack im 19. Jahrhundert auch in Bayern verbreitet war. Damals war es dort ein verhältnismäßig populäres Musikinstrument.“
Die Landesausstellung ist dem Experten zufolge sehr umfangreich. Sie beschreibe die Musikentwicklung in der Region vom 11. Jahrhundert bis in die Gegenwart.
„Die Besucher erfahren viel über die mittelalterliche Musik sowie die Kirchen- und Volksmusik. Im Fokus stehen zudem namhafte Komponisten wie Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart oder Richard Wagner, die in Bayern Spuren hinterließen oder mit der Region irgendwie verbunden waren. Da die Musikgeschichte bis in die Gegenwart beschrieben wird, geht es in der Schau auch um die Beatles, die Rolling Stones, Elvis Presley und Adele.“
Mozarts Librettist und Beatlemania in München
Worin bestehen aber die Beziehungen der Rock- und Popgrößen zu Bayern, und wie war Mozart mit Bayern verbunden? Libor Pražan:
„In der Ausstellung ist von einem von Mozarts Librettisten, Emanuel Schikaneder (1751–1812, Anm. d. Red.), die Rede. Er schrieb das Libretto für die ,Zauberflöte‘. Und Schikaneder stammte eben aus Bayern. Was die britischen und US-amerikanischen Bands betrifft, so hatten die Beatles 1966 zwei phänomenale Konzerte in München. Die ganze Stadt war damals auf den Beinen, und die Beatlemania hatte ganz Bayern erfasst. Es war das erste Konzert dieser Art, das sich in München abspielte. Seitdem kamen viele renommierte Bands und Musiker in die bayerische Landeshauptstadt. Es folgten die Rolling Stones, David Bowie, Freddie Mercury. Mercury nahm seine Solo-Alben in München auf. Das alles wird in der Ausstellung gezeigt.“
Libor Pražan ist, wie bereits erwähnt, an der Landesausstellung beteiligt. Was gehört dort zu seinen Aufgaben?
„Meine Rolle finde ich spannend, denn sie umfasst einige Bereiche. Ich bin eigentlich der einzige Tscheche im ganzen Team. Darum bin ich unter anderem für die Kontakte zur Tschechischen Republik verantwortlich. Meine Arbeit besteht teilweise in der Kommunikation mit den Medien sowie darin, tschechische Schulen und Vereine zur Landesausstellung einzuladen und ihre Besuche zu planen. Was ich für besonders schön halte, das sind die Führungen tschechischer Gäste durch die Ausstellung. Da ich von Beruf Gitarrenbauer bin, habe ich zudem eine schöne Gitarrenwerkstatt in der Schau eingerichtet. Diese gehört zum Begleitprogramm. Ich kann Gäste dorthin einladen und ihnen Workshops mit dem Resonanzholz anbieten.“
Tausende Besucher bauen eine Gitarre
Werden die Interessenten die Möglichkeit haben, am Bau einer Gitarre wirklich teilzunehmen, oder werden sie nur zusehen können?
„Die ganze Landesausstellung wurde so gestaltet, dass sie wirklich lebendig ist. Denn ein Museum, in dem nur Fotos mit Beschriftung hängen, interessiert heute kaum noch einen Menschen. Unsere Schau ist interaktiv und erlebnisorientiert. Meine Werkstatt passt in dieses Konzept. Wenn ein Besucher meine Gitarrenwerkstatt betritt, nehmen wir gemeinsam einen Hobel und einen kleinen Meißel in die Hand und fangen an zu arbeiten. Ich möchte während der ganzen Dauer der Ausstellung eine wirkliche Gitarre bauen und lade unsere Besucher dazu ein, sich daran zu beteiligen.“
Laut Pražan könnten 100.000 bis 200.000 Menschen bis November die Ausstellung besuchen. Und wenn alles mit der Werkstatt klappt, hieße das eventuell, dass sich eine Rekordzahl von Menschen am Bau einer einzigen Gitarre beteiligt hat.
„Es ist vorstellbar, dass wir zum Schluss ein Musikinstrument haben, an dessen Herstellung sich beispielsweise 300 oder sogar auch 3000 Menschen beteiligt haben. Das wissen wir jetzt zwar noch nicht, aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch.“
Resonanzholz aus dem Böhmerwald für Mozarts Klavier
Vielen Erzählungen nach wurde das Holz aus den höheren Lagen des Böhmerwaldes früher oft als Resonanzholz für den Bau von Musikinstrumenten verwendet. Im 19. Jahrhundert gab es zum Beispiel eine Resonanzholzfabrik in Tusset, dem heutigen Stožec. Wie steht es heute um das gefragte Fichtenholz? Der Gitarrenbauer:
„In den rauen Bedingungen der hiesigen Berge wuchsen und wachsen immer noch Fichten, deren Holz von hoher Qualität ist und schon vor einigen Jahrhunderten begehrt war. Wolfgang Amadeus Mozart hatte ein Klavier, das zwar in Wien gebaut wurde, jedoch aus Holz, das aus dem Böhmerwaldort Modrava (auf Deutsch Mader, Anm. d. Red.) stammte.“
Auf dem Gebiet der beiden Nationalparks – des Nationalparks Šumava und des Nationalparks Bayerischer Wald – gibt es nach Worten von Libor Pražan immer noch die alten, langsam wachsenden Bäume, deren Holz für den Bau von Musikinstrumenten geeignet wäre. Es ist aber natürlich nicht möglich, im Nationalpark oder in einem Naturschutzgebiet Holz zu fördern.
Libor Pražan war nicht von Anfang an Gitarrenbauer, sondern restaurierte ursprünglich historische Möbel. Er habe jedoch schon seit der Kindheit Musik geliebt, erzählt er und fügt hinzu:
„Darum fing ich an, Musikinstrumente zu bauen. Unter meinen Kunden, deren historische Möbel ich restaurierte, waren viele Musiker, darunter Dirigenten und Pianisten. Wenn ich bei ihnen zu Hause ein restauriertes Möbelstück installierte, haben wir über Musik und Musikinstrumente geplaudert. Ich bin eigentlich mein ganzes Leben lang schon von Musik umgeben.“
Wie kam es dazu, dass Libor Pražan nach Freyung gezogen ist?
„In den letzten Jahren habe ich im Böhmerwald gelebt – zuerst in České Žleby und anschließend in Vimperk. Dort begegnete ich mehreren interessanten Personen, die sich stark in der Kultur der Region engagieren. Dabei stellte ich fest, dass es hier eine wunderbare kulturelle Zusammenarbeit zwischen der böhmischen und der bayerischen Seite gibt. Mit großer Freude schloss ich mich der Arbeit einiger Vereine an. Und dann war es nur noch ein kleinerer Schritt dahin, nach Bayern zu ziehen.“
Die Veranstalter der Landesausstellung in Freyung rechnen ebenfalls mit Besuchern aus Tschechien. Vor allem im Sommer unternehmen viele Urlauber von der anderen Seite der Grenze wenigstens einen Ausflug nach Bayern. Es gibt auch eine tschechische Website der Ausstellung „Musik in Bayern“. Libor Pražan bemüht sich, die tschechische Öffentlichkeit auf unterschiedliche Weise auf die Schau aufmerksam zu machen. Er lobt die Zusammenarbeit mit dem Tschechischen Rundfunk in Plzeň / Pilsen und in České Budějovice / Budweis und erzählt über die Erweiterung der Kontakte zu den Bürgermeistern, Schuldirektoren und verschiedenen Vereinen vor allem im Grenzgebiet.
Wird es während der Landesausstellung aber auch Live-Musik geben? Libor Pražan:
„Wir werden hier wortwörtlich einen Musikmarathon haben. Die Ausstellung wird 199 Tage dauern, und es wird mindestens ein Konzert täglich veranstaltet. An einigen Tagen gibt es zwei oder drei Live-Veranstaltungen. Für eine kleine Stadt wie Freyung ist dies fast unglaublich.“
Die Bayerische Landesausstellung mit dem Titel „Musik in Bayern“ findet von 25. April bis 8. November statt, und zwar an mehreren Orten in Freyung. Der Hauptveranstaltungsort ist das TonYversum. Mehr über das Programm finden Sie unter https://www.musik-in-bayern.de/landesausstellung/.
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