Ukrainekrieg, Debatten zu Fake News und Städtepartnerschaft: Radio Prag International im Jahr 2023

Radio Prague International

Auch in unseren Sendungen ging es in 2023 häufig um die Krisen, die das Jahr geprägt haben. Aber wir hatten ebenso Fröhlicheres zu vermelden und viele Gesprächspartner jenseits dieser Verwerfungen. An ein paar unserer Gäste und Themen aus den vergangenen zwölf Monaten wollen wir im Folgenden erinnern.

Wir beginnen mit dem Konflikt, der wohl auch Tschechien am nachhaltigsten beeinflusst hat – mit dem russischen Krieg gegen die Ukraine. Unter anderem hatten wir bei uns Serhij Zhadan im Programm, er ist ein international bekannter ukrainischer Schriftsteller, Übersetzer und Musiker. Im Mai war er bei der internationalen Buchmesse „Svět knihy“ in Prag. Der Dichter gehörte dort zu den gefragtesten ausländischen Gästen. Serhij Zhadan wurde in den vergangenen Jahren mit vielen Preisen ausgezeichnet. So erhielt er schon 2006 den Hubert-Burda-Preis für junge osteuropäische Lyrik. Vergangenes Jahr bekam Zhadan den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Zudem wurde er mit dem Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken geehrt. In diesem Jahr wurde dem Dichter von der schwedischen Sektion des internationalen PEN-Klubs der Tucholsky-Preis zuerkannt. Zhadan lebt in Charkiw, wo er sich als Freiwilliger engagiert. Der Dichter hat sich in Prag auch als Rockmusiker mit seiner Band vorgestellt. Der Erlös des Konzerts ging auf das Konto der von ihm gegründeten wohltätigen Organisation Chartija.


Von diesem schweren Thema zu Beginn schlagen wir einen Bogen zum 100. Geburtstag des Tschechischen Rundfunks in diesem Jahr. Aus Anlass des Jubiläums hat Radio Prag International gemeinsam mit den Tschechischen Zentren ein besonderes Projekt organisiert. In Berlin, München und Wien fanden jeweils Live-Debatten zum Thema „Fake News und Desinformationen“ statt, bei denen tschechische Expertinnen und Experten mit deutschen beziehungsweise österreichischen Fachleuten diskutiert haben. Bei der Veranstaltung in Berlin sprachen Ulrike Klinger, Professorin für Digitale Demokratie an der Europa-Universität Viadrina, und Helena Truchlá, ehemalige Analytikerin beim tschechischen Meinungsforschungsinstitut STEM. Bei der Münchner Debatte traten Gudrun Riedel, Redaktionsleiterin beim Bayerischen Rundfunks und Erfinderin des „Faktenfuchses“, und Petr Jan Vinš vom Prague Security Studies Institute auf.


Ein Sendeschwerpunkt von uns sind die tschechisch-deutschen Beziehungen. Und da gab es 2023 etwas zu feiern: 50 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Leipzig und Brno / Brünn. Wie sich die Kooperation im Laufe der Jahrzehnte verändert hat und was so eine Städtepartnerschaft in der Praxis bedeutet, dem ist Ferdinand Hauser in einer halbstündigen Sondersendung auf den Grund gegangen. In Brünn hat er unter anderem die Oberbürgermeisterin der Stadt interviewt und Passanten in den Straßen befragt. In Leipzig hat er der Brünner Straße einen Besuch abgestattet und ist im Partnerstadtquartier auf Gabriele Goldfuß getroffen. Sie ist die Leiterin des Referats Internationale Zusammenarbeit der Stadt Leipzig.


Wir bleiben tschechisch-deutsch und kommen zur Wirtschaft. Vor einigen Wochen wurde erstmals der neue Wirtschaftspreis der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer vergeben. Der Sonderpreis Deutsche Investitionen in der Tschechischen Republik ging dabei an die Suspa GmbH. Die Firma kommt ursprünglich aus Altdorf bei Nürnberg und wurde 1951 gegründet. Bei der Preisverleihung am Sitz der Handelskammer vertraten Geschäftsführer Oliver Gold das Unternehmen und der Prokurist Jürgen Walther, der das Suspa-Werk im westböhmischen Bor leitet.


Im April dieses Jahres haben wir über einen aufregenden historischen Fund berichtet. Markéta Kachlíková war dafür im westböhmischen Cheb / Eger und hat dort Miloš Říha getroffen. Der Historiker erzählte ihr von einer überraschenden Entdeckung einer Stadtchronik von Eger aus dem Jahr 1743 und ihren Weg zurück an ihren Herkunftsort. Der deutsche Original-Band wurde digitalisiert und ist heute als Faksimile im Internet zugänglich. Říhas Übersetzung ins Tschechische wurde auf der Website der Stiftung Historisches Eger veröffentlicht.

Autor: Till Janzer
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