Vlastimil Kniha - Hunde sind aus seinem Leben nicht wegzudenken

1.750.000 bis 2 000 000 Hunde soll es angeblich in Tschechien geben. Allein in Prag dürften es mehr als 100.000 sein. In 41 Prozent der tschechischen Haushalte sind sie sozusagen Familienangehörige. Für viele Herrchen und Frauchen sind sie unentbehrliche Kumpel, für die man bereit ist, dies und jenes in Kauf zu nehmen. Es geht um ein Phänomen, das nicht nur das Verhalten, sondern auch die Ausgaben der Tschechen wesentlich beeinflusst. Jedes Jahr geben sie milliardenhohe Summen für ihre Hündchen aus. Der Hundeboom begann in Tschechien nach dem Wendejahr 1989 und löste auch den Aufschwung mehrerer Branchen aus, die mit der Hundezucht in Zusammenhang stehen. Wie Pilze aus dem Boden schossen zum Beispiel private Veterinärpraxen - natürlich nicht nur für Hunde, Geschäfte mit Tierfutter und Tierutensilien, Hundeschulen und und und. In der heutigen Ausgabe der Sendereihe "Heute am Mikrophon" stellt Jitka Mladkova einen Mann vor, der sein Hobby zum Beruf machte.

Hundeübungsplatz
Mauer, Viadukt, Wippe, Laufsteg, Schrägwand und verschiedene Sprung- oder Durchlaufhindernisse gehören zu einem richtigen Übungsplatz, auf dem sich die erzieherische und auch unterhaltsame Tätigkeit eines Hundeführers und seines Hundes abspielen. Genau in diesem typischen Ambiente habe ich mich mit Vlastimil Kniha, unter Freunden als Vlasta genannt, verabredet. Konkret auf dem am Waldrand gelegenen Übungsplatz für Hunde in der Stadt Ricany unweit von Prag. Er gilt als leidenschaftlicher Hundelehrer und so wollte ich zuallererst wissen, wo seine Liebe zu Hunden ihre Wurzeln hat:

"Schon als Kleinkind nahm mich mein Vater häufiger zum Hundeübungsplatz mit, wo ich vom Kinderwagen aus das Geschehen beobachten konnte. Im Laufe der Zeit hat er mich dann in die Kunst der Hundeabrichtung eingeweiht. Das hat wahrscheinlich meine Beziehung zu Hunden geprägt."

Gerne brachte er Hunde nach Hause, die auf der Straße ohne Aufsicht herumliefen, bis die Eltern selbst einen Hund als neues Familienmitglied kauften, den der kleine Vlasta in seine Obhut nahm. Er stimmt zu, wenn ich sage, dass seine Leidenschaft für Hunde in seinem Erbgenom enthalten sein muss.

Vlastimil Kniha
"Auch heute noch versetzen mich Hunde ins Staunen. Ich muss sie nicht unbedingt abrichten. Oft reicht es nur, sie zu beobachten - wie sie herumlaufen, sich jagen usw. Manche Leute sind die ersten fünf Minuten begeistert, ich kann mich aber einfach nicht daran satt sehen. Für mich sind Hunde einfach fabelhaft!"

Herrn Kniha sei immer wieder fasziniert beim Anblick der Hunde, mit welcher Leichtigkeit und Temperament sie sich bewegen können. Dabei spricht er aber nicht von einzelnen Hunden, sondern von ganzen Hunderudeln, in die jeder Hund seiner Meinung nach hingehört. Neben der ästhetischen Wahrnehmungen schätzt er aber auch die Hundementalität hoch, also den Hund als den besten Freund des Menschen:

"Ich kenne Menschen, die unglaublich schlecht mit ihren Hunden umgehen, sie aber trotzdem lieb haben. Da sehen Sie einen Hund im Schmutz und Dreck liegen, an einer Hundehütte angekettet, voller Läuse und Würmer, und wenn er sein Herrchen sieht, hopst er vor Freude wie verrückt."

Vlasta Kniha selbst ist Herrchen von nur einem Hund, genauer gesagt einer Hündin, die er von einem Freund zu seinem 50. Geburtstag geschenkt bekam. Seine Frau aber, wie könnte es anders sein, hat auch ein Faible für Hunde und betreibt sogar eine Zuchtstation mit deutschen Schäferhunden. Hundeliebhaber suchen sich ihre Lebensgefährten eben auf einem Hundeübungsplatz, meint Kniha. Wann hat eigentlich seine Laufbahn des professionellen Hundeausbilders begonnen?

"Ich habe lange Jahre bei der Telecom gearbeitet. Als man dann die alten Analogzentralen durch digitale ersetzt hat, wurde ich mit vielen anderen Mitarbeitern entlassen. Das passierte aber zu einem Zeitpunkt, als ich eine ganze Menge von Hunden ausgebildet habe, vor allem für Sportwettbewerbe. Das war mein Freizeithobby. In der Nachwendezeit wurde man dafür auch bezahlt."

Vlasta Kniha glaubt, die Hundementalität gut zu kennen und daher die Hunde oft auch besser verstehen zu können, als dies ihre eigenen Herren vermögen.

Mit seinen Klienten - den menschlichen - kennt er sich nämlich auch gut aus. Er teilt sie in mehrere Gruppen auf, die sich voneinander unterscheiden. Eine Gruppe seien Menschen, die ihm ihre Diensthunde zur Ausbildung geben, ohne daran selbst teilzunehmen. Die holen sich dann mit dem Hund auch einen Ausweis, in dem bestätigt steht, dass der Vierbeiner die vorgeschriebene Leistungsprüfung bestanden hat. Und das wars auch. Die andere Herrchensorte beschreibt Kniha folgendermaßen:

"Das sind Leute, die an der Ausbildung aktiv teilnehmen wollen, und die sind mir auch lieber. Das sind Enthusiasten, die auf den Übungsplatz kommen, wenn es hagelt, wenn es friert oder wenn die Temperatur bei 35 Grad olus liegt. Die genießen es, hier mit mir zu sein, mit dem Gedanken, irgendwann mit ihrem Hund an einer Prüfung oder an einem Wettkampf teilnehmen zu können."

Ehrlich gesagt, über die Sportkynologie weiß ich nicht viel. Kein Wunder also, dass sich meine Vorstellung über die Menschen, die ihre Freizeit bei jedem Wetter auf einem Hundeübungsplatz verbringen, beim Gespräch mit dem "Kynopädagogen", als falsch erwiesen hat. Er korrigierte meine Frage, ob es seinen Klienten in erster Linie darum geht, Medaillen bei verschiedenen Sportveranstaltungen zu erringen:

Hundeübungsplatz
"Es gibt natürlich auch solche, aber die absolute Mehrheit dieser Menschen begeistert sich einfach für dieses Hobby. Wenn ein Hündchen wirklich gut ist, dann nimmt es höchstens an vier bis fünf Wettkämpfen oder Leistungsprüfungen im Jahr teil. Darum geht es aber nicht. Viel mehr darum, dass man den Hund von klein auf im Geiste der Sportkynologie aufzieht. Das Ausbildungsprogramm muss aber so aufgebaut sein, dass es sowohl dem Herrchen als auch dem Hündchen Spaß macht."

Bisher war von professionellen Diensthunden und den Zöglingen vieler Sportkynologieenthusiasten die Rede. Ich wollte wissen, ob sich noch andere Hunde auf seinem Übungsplatz tummeln, die keiner dieser beiden Gruppen zuzuordnen sind:

"Selbstverständlich. Das sind die modischen Hunderassen, wie zum Beispiel Labrador. Es kommen aber auch viele Leute, die sozusagen eine Promenadenmischung zu Hause haben. Diese Hunde werden aber nicht im Sinne der Sportkynologie getrimmt. Es passiert ja oft, dass man den Hund frei laufen lässt und dann muss man ihn jagen, weil er nicht gehorcht. Meistens sind es aber brave Hunde, die manchmal jemanden ablecken, schmutzig machen oder irgendeinem Eis hinterherlaufen. In der heutigen Zeit aber sind viele Leute allergisch oder haben Angst vor Hunden, schon wenn diese auf sie zugelaufen kommen."

Diese Manieren muss also der Hundelehrer durch die Erziehung abbauen. Was aber dem Kynologen den größten Spaß macht, ist der Spitzensport. Es ist schließlich kaum zu überhören, wenn er über die Menschen spricht, die bei ihm auf dem Übungsplatz regelmäßig Stelldichein haben. Aber auch bei verschiedenen Sportveranstaltungen, wo die Hunde als Hauptakteure gelten. Abschließend fragte ich ihn, ob er seine Zöglinge auch bei diesen Gelegenheiten begleitet:

"Nein, und auch nicht als Berater! Ich bin da als Freund der jeweiligen Hundebesitzer und drücke ihnen die Daumen. Es ist klar, dass es Freude macht, wenn ein Hund, den man für die Sportaktion vorbereitet hat, Erfolg erntet!"

Fotos: Autorin