Von der Wunderkarte zum Sorgenkind: Prager Opencard

Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks

Wie eine Wunderkarte sollte sie wirken: die sogenannte „Opencard“ in Prag. Inzwischen wird sie von über einer Million Menschen als elektronische Zeitkarte für den öffentlichen Nahverkehr in der tschechischen Hauptstadt. Nun ist aber auch diese einzige Funktion des einst gepriesenen Plastikkärtchens gefährdet.

Opencard (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Vor acht Jahren konnten die ersten Interessenten die Prager Opencard erwerben. Passionierter Vorkämpfer der Prager Stadtkarte war der damalige Oberbürgermeister Pavel Bém. Er schwärmte geradezu von dem Projekt:

"Die Opencard wird zum unersetzlichen Bestandteil der Portemonnaies werden, jeder wird sie gern haben. Sie wird Dutzende von Funktionen haben, inklusive verschiedenster Bonus-Programme und Vergünstigungen. Sie wird als Eintrittskarte für Schwimmbäder und Eisstadien gelten. Sie wird einfach sämtliche Dienste in der Stadt umfassen. In vier, fünf Jahren werden die Funktionen ein 50-stöckiges Haus bilden, jetzt haben wir die Fundamente gebaut.“

Foto: Kristýna Maková
Auch nach acht Jahren ist es jedoch nur bei den Fundamenten geblieben, und selbst diese scheinen nicht in letzter Zeit nicht mehr fest zu stehen. Derzeit besitzen rund 1,2 Millionen Menschen die Opencard und nutzen sie als Zeitkarte für den Prager Nahverkehr.

Das Projekt der Opencard hat aber von Anfang an mehr Geld verschlungen, als dafür geplant war. Schon 2010 fing die Polizei an, deswegen zu ermitteln. Zudem wurde eine Kommission im tschechischen Abgeordnetenhaus eingerichtet, die sich mit der Prager Opencard befassen sollte. Auf Missverhältnisse im Projekt der Stadtkarte hat auch mehrmals die inzwischen ehemalige Prager Stadtabgeordnete Jana Ryšlinková aufmerksam gemacht. Vor knapp einem Jahr sagte sie vor der Abgeordnetenkommission aus.

Jana Ryšlinková (Foto: ČT24)
„Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Prager Mafia-Paten Janoušek, Rittig und Hurda Nutznießer der Opencard waren. Und durch ihre Vermittlung haben davon auch jene Politiker im Prager Magistrat profitiert, die die Entscheidungen im Projekt Opencard beeinflussen konnten – mit Herrn Bém an der Spitze.“

Verurteilt wurden einige Prager Beamte, die Ermittlungen gegen die Verantwortlichen sind hingegen eingestellt worden.

Adriana Krnáčová (Foto: Luděk Kovář, Wikimedia CC BY-SA 3.0)
In jedem Fall hat die Opencard die Hauptstadt 1,35 Milliarden Kronen (50 Millionen Euro) gekostet, und nun ist die Zukunft des Projekts unklar. Die Prager Oberbürgermeisterin Adriana Krnáčová sagte vor einigen Tagen:

„Die Opencard kann nicht die einzige Möglichkeit sein, um eine Zeitkarte für den Nahverkehr zu erstehen. Wir wollen noch andere Formen von Zeitkarten anbieten.“

Vorige Woche fingen die Prager Verkehrsbetriebe an, nach sechs Jahren wieder Zeitkarten in Form von Papierkupons zu verkaufen. Sie stellen vorläufig nur eine Alternative zur Opencard dar. Diese Möglichkeit billigte der Prager Stadtrat aber wegen erheblichen Problemen, die er mit den laufenden Verträgen zu der Karte hat. Die Firma eMoneyServices (EMS) besitzt die Rechte an der Opencard, sie will von der Stadt aber höhere Lizenzgebühren, als diese bereit ist zu zahlen. Der Prager Magistrat wiederum will die Rechte an der Karte selbst erwerben. Bisher gibt es keine Einigung. Die nächsten Verhandlungen zwischen der Firma und den Prager Stadträten sollen am kommenden Montag stattfinden.