Vor dem Wochenende: Sind Ausflügler in den Bergen Tschechiens erwünscht?

Foto: Martin Loetzsch, Flickr, CC BY-NC 2.0

Wanderungen im Freien bleiben in Tschechien trotz des Corona-Lockdowns erlaubt. Sei es zu Fuß oder auf Skiern. Viele Ausflügler strömen daher an den Wochenenden in die Berge. Doch sind sie dort willkommen? Der Tschechische Rundfunk hat sich in manchen Bergzentren umgehört.

Skizentrum Špičák  (Foto: Archiv des Skizentrums)

Die Wintersportzentren sind wegen der Anti-Corona-Maßnahmen geschlossen, aber nicht leer. Ski-Langläufer, Ski-Bergsteiger oder Rodler – sie alle sind in den Bergen unterwegs. Und sie sorgen vor allem an Wochenendtagen für Chaos. Vladimír Kasík ist Liftbetreiber im Skizentrum Špičák im Böhmerwald. Er betont, dass das Betreten der geschlossenen Pisten verboten sei:

Skizentrum Špičák  (Foto: Jitka Englová,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)

„Direkt vor dem Schild ‚geschlossen‘ schnallen sich vier Ski-Bergsteiger ihre Skier an und beachten es überhaupt nicht. Das kennzeichnet das Verhalten aller Bergbesucher. Niemand respektiert das Verbot.“

Kasík warnt vor Gefahren, die auf den geschlossenen Pisten drohen. Die Hänge würden zwar beschneit, aber nicht weiter präpariert:

Skizentrum Špičák  (Foto: Jitka Englová,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)

„Es gibt dort Gruben oder Eisschollen, die Ski-Fahrer könnten sich dort ein Bein brechen. Zudem befinden sich auf den Pisten Schneekanonen. Zu jeder Kanone führen ein 380-Volt-Kabel und ein Wasserschlauch. Jemand könnte mit seiner Ski-Kante das Kabel durchtrennen und wäre dann sofort tot. Außerdem hat man uns bereits sechs Schläuche durchgeschnitten, jedes kostet etwa 10.000 Kronen (380 Euro, Anm. d. Red.). Eine weitere Gefahr stellen die Schneefräsen dar. Sie sind an Seilen befestigt, die die Ski-Fahrer nicht sehen können.“

Direkt im Zentrum Špičák wurde eine kleinere Piste für das Rodeln und anderen Winterspaß zur Verfügung gestellt.

Jiří Lehký  (Foto: ČT24)

Mit dem großen Andrang von Touristen setzt man sich auch in den Beskiden auseinander. Den Naturschützern bereitet er Sorgen. Jiří Lehký arbeitet in der Verwaltung des Landschaftsschutzgebiets Beskydy:

„Das Problem ist, dass die Menschen in den Beskiden überall sind. Und zwar zu jeder Tageszeit. Der Ansturm hat seit den Sommerferien praktisch nicht nachgelassen. Die Zahlen sind überdurchschnittlich hoch. Mit den zunehmenden Besucherzahlen steigt auch die Zahl derjenigen Touristen, die sich nicht richtig benehmen können.“

Beskiden  (Foto: Rob,  Flickr,  CC BY-NC-ND 2.0)

Die Naturschützer mahnen daher die Besucher, nur Wege zu betreten, die als Wanderwege gekennzeichnet sind. Diese zu verlassen, sei verboten, sagt Lehký:

„Obwohl die Beskiden groß sind, haben die Wildtiere bei dem Andrang, den wir jetzt verzeichnen, keine Chance, einen ruhigen Ort zu finden.“

Pavlína Stankayová  (Foto: Archiv der Gemeinde Ostravice)

Nicht nur die Bewegung in der Natur, aber auch die Fahrten dorthin sind problematisch. Am vergangenen Wochenende bildeten sich vielerorts lange Staus, und die Parkplätze waren schon in den frühen Morgenstunden überfüllt. Pavlína Stankayová (Christdemokraten) ist Bürgermeisterin in Ostravice in den Beskiden. Sie will einer solchen Lage an diesem Wochenende und an den kommenden freien Tagen vorbeugen und steht mit der Polizei in Kontakt.

„Die Polizeikontrollen werden verstärkt. Wir alle sind uns bewusst, dass die Lage kompliziert ist. Alle werden sich bemühen, eine gute Lösung zu finden. Die Touristen können sich darauf verlassen.“

Orlov  (Foto: Brdy-res publica,  Wikimedia Commons,  CC0)

Die Ausflügler strömen aber nicht nur in die Berggebiete in den Grenzregionen. Auch Orlov am Fuße des Mittelgebirges Brdy in Mittelböhmen war am vergangenen Wochenende voller Menschen. Bürgermeister Jan Konvalinka (Partei Ano):

„Wir wollen das Parken nun regulieren, damit die Autofahrer nicht Privatgrundstücke besetzen oder den Zugang zu den Gärten blockieren. Wir haben aber auch die Besitzer der Grundstücke in der Umgebung angesprochen, das Parken auf ihren Grundstücken zu ermöglichen.“

Illustrationsfoto: Eva Odstrčilová,  Archiv des Tschechischen Rundfunks