Zivilisationskollaps? Riesige Skulptur einer Zitterspinne vor dem Nationaltheater in Prag

„Spinne Dreifußschauplatz“
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Vor dem Nationaltheater in Prag steht seit Dienstag eine temporäre Installation des Multigenre-Künstlers František Skála. Sie heißt „Spinne Dreifußschauplatz“  und will amüsieren, aber auch zum Nachdenken über den möglicherweise drohenden Zusammenbruch der menschlichen Zivilisation anregen.

František Skála, geboren 1956, ist mit seinem breiten Spektrum an künstlerischen Aktivitäten bekannt. Er ist Maler, Bildhauer und Buchillustrator, aber auch Musiker und Performer. Er schafft Bildzyklen, Raumobjekte und Installationen, die bereits in mehreren großen Ausstellungen in führenden Prager Galerien präsentiert wurden.

František Skála | Foto: Jana Švecová,  Tschechischer Rundfunk

In seinen Werken schöpft Skála oft aus der Welt der Insekten und Tiere, der Maßstab seiner Objekte ist oft vervielfacht. Das ist auch bei der neuen Installation der Fall. Sie wurde auf dem Václav-Havel-Platz, einer Fläche zwischen dem historischen Gebäude des Nationaltheaters und der Neuen Bühne in Prag, am Dienstagnachmittag enthüllt. Zu sehen ist ein mehrere Meter hoher Tisch auf drei Beinen, von dem eine Spinne herabhängt:

„Die Skulptur wurde schon in meiner Ausstellung in der Nationalgalerie gezeigt, allerdings ohne Ergänzung. Es war nur der vom Brüsseler Stil der 1960er Jahre inspirierte Blumentisch in einem monumentalen Maßstab. Nun habe ich noch die Spinne angebracht. Sie bewegt sich, wenn ihr jemand näherkommt. Als ob die Gefahr bestünde, dass sie sich aus dem Netz befreit und jemanden anspringt.“

Soweit František Skála. Sein Werk „Spinne Dreifußschauplatz“ solle etwas Erbärmliches und Verzweifeltes ausdrücken und Mitleid erwecken, sagt er. Die Installation kann seinen Worten nach aber auch als eine gängige große Skulptur betrachtet werden:

Erklärtafel | Foto: Lina Zimmermann,  Radio Prague International

„Denn die geometrischen Linien, die der Dreifuß hat, wiederholen sich in einer feineren Form im Spinnennetz.“

Der Künstler liefert auch Anweisungen zum Verständnis seines Werkes:

„Es ist eine Parabel über die letzten Zuckungen unserer verrotteten Zivilisation. Gleichzeitig besteht Hoffnung, dass sich noch Manches auf der Plattform des Dreifußschauplatzes abspielen wird. Das Vorbild für die Spinne ist eine invasive Art, die Große Zitterspinne, die die heimischen Spinnen, die unsere Häuser bewohnen und Glück bringen, vernichtet hat.“

Denn die heutige Zivilisation steuere ihrer Vernichtung zu, ist Skála überzeugt:

„Spinne Dreifußschauplatz“ | Foto: Lina Zimmermann,  Radio Prague International

„Ich wüsste nicht, warum sie nicht erlöschen sollte, wenn alle früheren großen Zivilisationen ebenfalls erloschen sind. Ich glaube nicht, dass der zeitgenössische Stolz angebracht ist. Wenn man sich das Weltgeschehen anschaut, denke ich, dass die Strategie, das Ende zu beschleunigen, bereits im Gange ist. Entweder wird es einen großen Durchbruch geben oder ein Ende.“

Die Installation „Spinne Dreifußschauplatz“ von František Skála ist noch einen Monat lang vor dem Nationaltheater in Prag zu sehen.

Im Oktober dieses Jahres wird im Übrigen eine repräsentative Werkschau aus den letzten drei Schaffensjahrzehnten des Multigenre-Künstlers in der Dresdner Kunsthalle im Lipsiusbau eröffnet. Sie wird neue Werke wie auch site-spezifische, speziell für Dresden geschaffene Installationen Skálas zeigen, ergänzt von einem umfangreichen Begleitprogramm.

Autor: Markéta Kachlíková | Quelle: Český rozhlas Plus
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